Orthopädie & Unfallchirurgie
Adoleszentenkyphose / Skoliose: Diagnose
Differenzialdiagnose: siehe Rückenbeschwerden, thorakale
Skoliose
DefinitionFixierte Wirbelsäulenverbiegung in der Frontalebene. Neben der fixierten Form (strukturelle Skoliose) unterscheidet man ausgleichbare skoliotische Fehlhaltungen
PräventionBei familiärer Disposition im Vorschulalter und später engmaschige klinische Kontrollen. Ätiologie der strukturellen Skoliose
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Gefürchtete Folgen einer Skoliose
- Progredienzgefährdung im Wachstumsalter, besonders bei kongenitalen, idiopathischen und neuropathischen
- Skoliosen.
- Rückenschmerzen durch Rückenmuskelinsuffizienz, Spondylarthrose und Bandscheibensymptomatik.
- Einschränkung der Lungenfunktion mit zunehmender respiratorischer Insuffizienz.
Säuglingsskoliose
(Neugeborenenuntersuchungen, orthopädische)
großbogige c-förmige Biegungen, oft kombiniert mit Lieblingsseite und sich entwickelnder Schädelasymmetrie (Gesichtsskoliose)
Idiopathische Skoliose im Kindes- und Wachstumsalter
- Vorwiegend Mädchen betroffen
- Ursache und Zeitpunkt des ersten Auftretens meist unbekannt, häufig schon im Vorschulalter erste Zeichen zu
- finden
- Krümmung in der Brustwirbelsäule meist rechtskonvex
- Progredienzgefährdung um so größer, je jünger der Patient (Skelettalter) und je höher die Hauptkrümmung
Symptome
- Schulterasymmetrie
- Taillenasymmetrie
- Rippenbuckel
- Lendenwulst
- Seitabweichung der Dornfortsatzreihe
Der klinische Befund ist nicht zuverlässig. Er erlaubt keine Aussage über das Ausmaß der Skoliose, denn er wird vom Ausmaß der Wirbelrotation (Rippenbuckel), der Höhe der Krümmung und Gegenkrümmung bestimmt. Verlaufskontrolle durch computergestützte stereometrische Dokumentation.
Adoleszentenkyphose
Synonym: Morbus Scheuermann
Definition
Familiär gehäuft vorkommende Entwicklungsstörung von Wirbelkörpern und Bandscheiben im späten Kindes- und frühen Jugendalter, die bei Keilwirbelbildung, Bandscheibenverschmälerung und Deckplatteneinbrüchen zu leichter Skoliose und erheblicher struktureller Kyphose führen kann. Schwere körperliche Belastung vor Abschluss des Wirbelwachstums verstärkt die Ausprägung ("Lehrlingsrundrücken").
Symptome
Funktionelle Phase
< 10. Lj.; Bandscheibenverschmälerung und geringere Dehnbarkeit des Intervertebralraumes; kindliche Tonnenform der Wirbelkörper; Frühdiagnose nur röntgenologisch möglich. Verdachtsdiagnose: Haltungsschwäche, Hohlrücken, familiäre Belastung, starke Akzeleration.
Florides Stadium
Jungen 12-18 J., Mädchen 10-16 J.; fixierte Brustkyphose; Zunahme der Kyphose und des Fixationsbezirkes; typische Röntgenbefunde an mindestens 5 Wirbeln.
Spätstadium
fixierte Kyphose; Überdehnung der Rückenmuskulatur; Ventralverlagerung des Oberkörperschwerpunktes; Fehlbeanspruchung der Wirbelgelenke; in schweren Fällen zunehmende osteochondrotische Veränderungen (Spondylose, Spondylarthrose).
Krankheitswert
- Meist symptomlos:
- Einzelne Röntgensymptome bei 67 % der Wirbelsäulenaufnahmen nachzuweisen
- Verminderte Belastungsfähigkeit für schwere körperliche Arbeiten, häufiges Bücken und schweres Heben
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Nahezu keine Beschwerden und uneingeschränkte Sporttauglichkeit für wechselnde körperliche Beanspruchungen
Verlauf
Beschwerden:
- Durch schwere körperliche Arbeit
- Durch Kinderarbeit (Hochleistungssport)
- Bei plötzlichem Verbot rückenkräftigender Sportarten
- Akute oder chronisch rezidivierende Lumbalgien bei der lumbalen Verlaufsform
Orthopädie & Unfallchirurgie
Rückenbeschwerden, thorakale: Diagnose
Rückenbeschwerden, thorakale
Ätiologie
- Beschwerden im Bereich der Brustwirbelsäule sind meist auf Form- und Haltungsfehler bzw. muskuläre Überbeanspruchung zurückzuführen.
- Fernwirkungen der Spondylose und Spondylarthrose (radikulär, Grenzstrang) sind noch wenig erforscht, Wirbelblockierungen.
Allgemeinuntersuchung und Differenzialdiagnose
siehe unter:
- Rückenbeschwerden (Grundlagen),
- Zervikalsyndrom und
- Rückenbeschwerden (lumbale)
Rundrücken
Verstärkte Lendenlordose (Hüftbeugekontraktur, Bauchmuskelinsuffizienz) wird aus Gründen der statisch-orthoptischen Kompensation durch Vermehrung der Brustwirbelsäulenkyphose ausgeglichen
Kyphose, kontrakte
Definition
Fixierter Rundrücken mit Verstärkung der physiologischen Kyphose der BWS
Ätiologie
infantil:
- Kongenital:Wirbelmissbildungen
- Rachitisch: Knochenerweichung (Sitzbuckel des Kleinkindes)
- Folge langjähriger Bindegewebsschwäche und allgemeine Muskelschlaffheit
juvenil:
- Adoleszentenkyphose (M. Scheuermann)
- Wachstumsstörung der Wirbelsäule mit Verknöcherungsstörung der Wirbelgrund- und -deckplatten (Schmorl'sche Knötchen, keilförmige Wirbeldeformierung)
- Verzögerung der Wirbelkörperreifung
- Verlagerung des Kyphosescheitels unterhalb BWK 8
senil:
- hochsitzender Altersrundrücken mit Keil- und Fischwirbelbildung im oberen und mittleren BWS-Abschnitt
- Osteoporose
Skoliose (siehe auch Skoliose)
Definition
Fixierte Wirbelsäulenverbiegung in der Frontalebene. Neben der fixierten Form (strukturelle Skoliose) unterscheidet man ausgleichbare skoliotische Fehlhaltungen
- Statische Skoliose (z. B. bei Beinlängendifferenz oder Verlagerung des Oberkörperschwerpunktes nach Armamputation)
- Unsichere Haltung (z. B. bei Haltungsschwäche)
Symptome
- Schulterasymmetrie
- Taillenasymmetrie
- Rippenbuckel
- Lendenwulst
- Seitabweichung der Dornfortsatzreihe
- Einschränkung der Lungenfunktion bei höhergradiger Skoliose
Stereotype Arbeitshaltung
Überbeanspruchung der Rückenmuskulatur bei gleichförmiger körperlicher Beanspruchung (Sekretärin, Stenotypistin, technischer Zeichner, Fließbandarbeiter)
Spondylose und Spondylarthrose
Meist diffus, mehrere Wirbelabschnitte befallen
Betroffen: mittleres Lebensalter
Ankylosierende Hyperostose
(Synonym: Spondylosis hyperostotica Forestier)
Definition
Versteifung der gesamten Wirbelsäule, oft ohne wesentliche Schmerzen
Ätiologie
- Stoffwechselstörungen?
- Keine Beteiligung der Wirbelgelenke
Symptome
- Progredienz im Wachstumsalter durch Schiefwuchs
- Muskelschmerz auf der Seite der Konvexität
- Interkostalneuralgie auf der Konkavseite
Differenzialdiagnosen
- Spondylitis: spezifisch, unspezifisch (siehe Wirbelsäuleninfektionen, bakterielle)
- Bandscheibenvorfall (siehe Rückenbeschwerden, lumbale)
- Spondylitis ankylosans (Bechterew) (siehe Spondylitis ankylosans)
- Schipperkrankheit: Teilablösung von Dornfortsätzen (siehe Frakturen)
- Spontanverformungen von Wirbelkörpern: Osteoporose, multiples Myelom
- Tumoren der Wirbelsäule (siehe Malignome)
- Posttraumatische Veränderungen (siehe Frakturen)
Orthopädie & Unfallchirurgie
Rückenbeschwerden - Grundlagen: Diagnose
Rückenbeschwerden
Ätiologie
Zunächst (obwohl seltene Krankheitsbilder) immer denken an:
Spondylitis
(siehe Wirbelsäuleninfektionen, bakterielle)
- Spezifisch (Tuberkulose) oder unspezifisch (Staphylokokken, Typhus, Bang); Verlauf, Bandscheibenbeteiligung!
Osteolytische Prozesse
- Bösartige Knochentumoren,
- Metastasierung vor allem von Mamma-, Bronchial- und Prostatakarzinom (siehe auch Malignome)
- Gutartige Knochentumoren
- Tumorsimulierende Erkrankungen
Spondylitis ankylosans
(siehe Spondylitis ankylosans)
- Vor allem bei jungen Menschen oft lange verkannt
Neurologische Erkrankungen
Häufig vorkommende Krankheitsbilder:
- Zervikalsyndrom (Schulter-Arm-Syndrom [siehe Zervikalsyndrom])
- Lumbago (siehe Rückenbeschwerden, lumbale)
- Stamm-Osteoporose (siehe Osteoporose)
- Ischialgie (siehe Rückenbeschwerden, lumbale)
- Claudicatio spinalis (siehe Rückenbeschwerden, lumbale)
- Fehlstellungen der Wirbelsäule
- Traumafolgen (siehe Frakturen)
- Gleichförmige Überbeanspruchung
- Psychosomatische Befunde
Diagnostik
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Merke

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Untersuchung der gesamten Wirbelsäule wichtig! Segmentale Zuordnung! Orientierende Allgemein-Untersuchung
- Anamnese
- Neurologisch: Motorik, Sensibilität, Reflexe, radikuläre Schmerzausstrahlung, etc.
- Fokussuche, Klopf- und Druckdolenz
Orthopädische Untersuchung (so bei akuter Symptomatik möglich)
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• Haltung
Im Stand (barfuß, unbekleidet):
- Lotaufbau
- Schulter- und Beckengeradstand
- ausgleichbare Schonhaltung oder nicht ausgleichbare Zwangshaltung
Im Liegen:
- vermehrte Brustkyphose,
- Hohlkreuz (Hüftbeugekontraktur!)
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• Beweglichkeit
Im Stand mit durchgestreckten Kniegelenken:
- Beugung und Aufrichtung (kann sowohl im Hüftgelenk als auch in der Wirbelsäule ausgeführt werden)
Im Sitzen (bei fixiertem Becken):
- Rumpfdrehung mit im Nacken verschränkten Händen
In Bauchlage:
- Überstreckung passiv oder aktiv durch Aufrichtung des Oberkörpers
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• Wirbelsäulenaufbau
- Abtasten der Dornfortsatzreihe
• Schmerzempfindlichkeit
- Markierung der schmerzempfindlichen Stellen
- Nachlassen der Beschwerden in Ruhe, insbesondere bei Lagerung auf harter Unterlage, bei
• Muskeltonus
- Kontrakturen und reflektorische Zwangshaltung lösen sich weder im Liegen noch bei Entlastung (wechselseitige Entspannung der Rückenstrecker beim Gehen)
Röntgen
- Gute Aufnahmen sind für die Differentialdiagnose besonders wichtig.
- Oft sind Spezialaufnahmen und Schichtaufnahmen erforderlich
- Funktionsaufnahmen in aktiv erreichbaren Endstellungen geben Aufschluss über das Ausmaß der Schädigung (Instabilität oder auch Bewegungsverlust der betroffenen Segmente, der in den angrenzenden Segmenten kompensiert wird)








